Immer mehr Marken setzen bei Schuhen, Taschen oder Jacken auf veganes Leder – und bewerben dieses als nachhaltige Lösung. Doch wie ökologisch ist veganes Leder wirklich? Drei Fragen und drei Antworten.
Veganes Leder besteht immer öfter aus Pilzen.
Immer mehr Modemarken setzen auf veganes Leder, das sie als ökologische Lösung bewerben.
Doch veganes Leder besteht grösstenteils aus Plastik. Dieses baut sich nur langsam ab und ist unter anderem für die Verschmutzung der Weltmeere verantwortlich.
Trotzdem dürfte Plastikleder umweltfreundlicher sein als tierisches Leder. Kommt hinzu: Der Marktanteil natürlicher Lederalternativen aus Pilzen, Ananasblättern oder Apfelschalen steigt.
Ein Wermutstropfen: Es bleibt umstritten, ob mit der sinkenden Nachfrage nach tierischem Leder auch weniger Tiere geschlachtet werden. Die Tierzucht verantwortet mehr als zehn Prozent der globalen Treibhausgase.
Ob bei Schuhen, Taschen oder Jacken: Seit einigen Jahren erlebt veganes Leder einen regelrechten Boom. Doch was steckt hinter dem Begriff? Und wie nachhaltig und tierfreundlich ist veganes Leder wirklich? Hier sind drei Fragen und drei Antworten.
Grundsätzlich kann zwischen zwei Arten von veganem Leder unterschieden werden: solchem aus Plastik wie PU oder PVC und solchem aus natürlichen Materialien wie Pilzen, Ananasblättern oder Apfelschalen. Obwohl immer mehr Marken auf veganes Leder setzen, das aus Pflanzen hergestellt wird: Das Plastikleder überwiegt noch deutlich.
Ist veganes Leder nachhaltiger als tierisches Leder?
Leder beeinflusst die Umwelt einerseits über die Aufzucht der Tiere und andererseits über das Gerben der Häute, bei dem oft giftige Chemikalien eingesetzt werden. Zur Einordnung: Gemäss der US-amerikanischen FAO verantwortet die Tierzucht rund 14,5 Prozent der weltweiten Treibhausgase – und auch die Biodiversität leidet. Studien schätzen, dass bis zu einem Drittel des Verlusts an Artenvielfalt auf die Tierzucht durch den Menschen zurückzuführen ist.
Kann veganes Leder hier helfen? Eine Untersuchung des französischen Luxus-Warenhauses Kering kommt zum Schluss: Ja, aber nur bedingt. Der Umwelteinfluss von veganem Leder könne bis zu einem Drittel tiefer sein als jener von tierischem Leder – selbst wenn dieses aus Plastik bestehe.
Trotzdem gilt es zu berücksichtigen, dass Plastikprodukte vor und nach ihrer Lebensdauer der Umwelt schaden. Offiziellen Schätzungen zufolge landen jährlich immerhin 200’000 bis 500’000 Tonnen Mikroplastik aus Textilien in den Weltmeeren. Manche nachhaltige Designer bleiben daher skeptisch: Veganes Leder aus Plastik baue sich weniger rasch ab als tierisches Leder und sei daher weniger umweltfreundlich.
Sterben dank veganem Leder weniger Tiere?
Die Leder- und die Fleischproduktion gehen oft Hand in Hand. Abschliessend festzustellen, ob es nun der Konsum von Leder oder Fleisch ist, für den mehr Tiere sterben, ist schwierig. Veganismusverbände betonen jedoch, dass die Industrie mit Leder deutlich mehr verdiene als mit Fleisch – und es daher einen grösseren Anreiz zur Zucht setze. Doch gemäss einer Washingtoner Handelsgruppe landeten 2020 in den USA fünf Millionen Tierhäute auf dem Müll. Das entspricht 15 Prozent aller verfügbaren Häute – und einem neuen Rekord an Überproduktion, die liegen bleibt.
Auch die dänische Modemarke Saks Potts argumentiert, Leder sei ein Nebenprodukt der Fleischproduktion: «Die dänischen Nerze sind völlig abfallfrei, das Fett wird als Kraftstoff für dänische Busse verwendet, die Knochen dienen als Futter für andere Tiere und eine grosse Menge wird als Dünger für den ökologischen dänischen Gemüseanbau verwendet.»
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