Bezirksgericht Hollabrunn - Familie „erleichterte“ Pensionistin - und streitet alles ab - NÖN.at

2023-03-08 16:20:31 By : Mr. Runner Wei

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Zugetragen habe sich das Ganze im Juli 2022. Die Ziersdorferin hatte einen Hausflohmarkt vorbereitet, der Samstag und Sonntag geöffnet sein sollte. Die beschuldigte Familie kam aber schon am Mittwoch, erinnerte sich die 72-Jährige im Zeugenstand.

„Wir waren an diesem Tag in Ziersdorf, um ein Auto zu kaufen“, erklärte die 47-jährige Angeklagte, die mit ihrer Familie in Wien lebt. Und da hätten sie ein Schild gesehen, dass es besagten Hausflohmarkt geben werde. „Wir sind hingefahren und haben gefragt, ob wir uns schon umschauen dürfen“, schilderte die Frau. Sie hätten sich im ganze Haus umsehen dürfen, weil auch dieses verkauft werde.

Das bestätigte ihre ebenfalls angeklagte Tochter (29). Sie habe sich vor allem Taschen, Kleider und Geschirr angesehen. Aber: „Gestohlen haben wir nichts!“ Ihr Mann (33) habe sich im Garten nach Geräten umgeschaut. Der vierte Angeklagte (19) habe zwar Laden geöffnet – so seien auch seine Fingerabdrücke dorthin gekommen -, habe aber nichts gestohlen.

Das Opfer schilderte seine Version: Der junge Mann habe gefragt, ob er aufs WC gehen dürfe. „Ab dann haben mich die beiden Damen abgelenkt.“ Sie hätten ständig gefragt, wie viel etwas kostet. Der 19-Jährige sei nicht nur im Bad, sondern auch im Wohn- und Schlafzimmer gewesen. Dem 33-Jährigen hätte sie verschiedene Geräte im Garten gezeigt. Die Damen hätten schließlich „irgendwelchen Krimskrams“ um 30 Euro gekauft. Das Geld habe die 72-Jährige auf den Küchentisch gelegt.

Als die Familie wieder weg war, kam das böse Erwachen: „Alle Laden im Wohn- und Schlafzimmer waren offen. Mein Schmuck war weg.“ Später stellte die Ziersdorferin fest, dass ihre Geldbörse aus der Handtasche herausschaute und 470 Euro fehlten. „Es war sonst niemand in den Räumen“, ist sie sicher, dass der 19-Jährige den Schmuck genommen hat. „Ich lege ihn immer in die Lade, seit 50 Jahren.“

Dass dieser nicht mehr da ist, macht die Dame besonders traurig. „Ich will meinen Schmuck wieder, das Geld ist mir egal. Das waren Erinnerungsstücke von meinem verstorbenen Mann.“ Auch eine Kette von ihrem Enkelkind war dabei.

Der Richter riet den Angeklagten, sich mit ihrem Verteidiger zu besprechen: „Vielleicht gibt es doch ein Geständnis, das wäre ein Milderungsgrund.“ Denn: Die beiden Frauen und der 19-Jährige waren bereits einmal wegen Diebstahls verurteilt worden. Der 33-Jährige hat bereits drei Vorstrafen vorzuweisen, zwei davon einschlägig. Doch das Quartett blieb dabei: nicht schuldig.

Der Verteidiger hielt daraufhin eine Brandrede für seine Mandanten: Es sei „völlig abwegig“, dass seine Mandanten nach Ziersdorf gefahren sind, dort ein Auto gekauft haben, um dann auf einem Flohmarkt Schmuck und Geld zu stehlen. Die 72-Jährige habe der Familie erlaubt, sich im Haus umzusehen. Dabei seien natürlich auch Gegenstände berührt worden, daher rühren die Fingerabdrücke. Dass seine Mandanten etwas gestohlen haben, habe niemand gesehen. Und weil man darum eben nicht mit Sicherheit sagen könne, dass hier eine Straftat vorliegt, müsse es einen Freispruch geben.

Das beeindruckte Neubauer wenig. Er sprach die Angeklagten trotzdem schuldig. Der 33-jährige Serbe fasste eine Bewährungsstrafe über drei Monate aus, die anderen eine zweimonatige Freiheitsstrafe auf Bewährung. „Für mich besteht überhaupt kein Zweifel, dass Sie ins Haus gegangen sind, um eine Person zu erleichtern“, betonte der Richter. Und: „Mildernd ist bei Ihnen nix! Sie sind alle schon einschlägig vorbestraft!“

Der 33-Jährige ärgerte sich über den Schuldspruch: „Das gibt’s ja nicht!“ Die Angeklagten nahmen das Urteil nicht an und gehen in Berufung. So werden sich die Beteiligten erneut zu einer Verhandlung - dann am Landesgericht Korneuburg - einfinden müssen.

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